 Horst Rahe (Mitte) Kreuzfahrt – das bedeutet viel Essen, sich zum Abendessen eine Krawatte umbinden und sich ins Kleine Schwarze werfen zu müssen und unter älteren Herrschaften zu sein. „Das war einmal. Der Kreuzfahrtmarkt hat sich in den vergangenen Jahren geradezu dramatisch verändert und hat dadurch beachtliche Zuwachsraten zu verzeichnen“, sagt einer, der es wissen muss - Horst Rahe, Geschäftsführender Gesellschafter der Deutschen Seereederei. Der Chef der AIDA- und die Arosa-Kreuzfahrtschiffe war zu Gast beim Marketing-Club Lübeck und hielt auf dem Gelände der „Sand World“ einen Vortrag zum Thema „Veränderungen im Markt für Kreuzfahrten“. Von diesen Veränderungen, so Rahe, könnte auch Travemünde profitieren. Denn während sich früher Kreuzfahrtschiffe fast ausschließlich in der Karibik und im Mittelmeer bewegten, ist in den vergangenen Jahren die Ostsee als Zielgebiet zunehmend interessant geworden. Bis zum 50 US-Schiffe seien pro Jahr in der Ostsee unterwegs. „Neben Rostock-Warnemünde und Kiel könnte auch Lübeck-Travemünde als Zielhafen noch attraktiver werden“, sagte Rahe. „Doch dafür muss die Infrastruktur stimmen. Neben guten Verkehrsanbindungen und attraktiven Geschäften im oberen Preissegment brauchen wir vor allem ein festes Abfertigungsgebäude am Ostpreußenkai. Dann könnte Travemünde auch ein Hafen für eines unserer Aida-Schiffe sein“, sagte der Reedereichef.
Seit rund zehn Jahren haben sich der Kreuzfahrtmarkt und auch die Kreuzfahrten selbst verändert. „Früher sagte man: „Eine Kreuzfahrt bedeutet Landgang, Tischgang, Stuhlgang.“ Das ist vorbei, Kreuzfahrten sind jünger geworden, weniger steif als früher und auch preiswerter und dadurch für ein breiteres Publikum interessant“, sagte Rahe. Maßgeblichen Anteil daran hat die Deutsche Seereederei mit ihrem Aida-Konzept, das Rahe Mitte der 1970er Jahre mithilfe ehemaliger Manager der Robinson-Clubs erarbeitet hat. Statt eines großen Speisesaals mit fester Tischordnung gibt es auf den Schiffen verschiedene Restaurants, meist mit Selbstbedienungsbüffets. „Wir haben unsere Gäste gefragt, was ihnen lieber ist: Hummer vom Selbstbedienungsbüffet oder ein von einem Kellner serviertes Würstchen. Die Gäste haben sich für den Hummer entschieden“, sagte Rahe. So komme die Reederei mit weniger Personal aus, was sich natürlich im Reisepreis niederschlage. Dazu tragen auch eine kürzere Reisedauer bei und die An- und Abreise über Häfen, die leicht mit der Flugzeug oder auch mit dem eigenen PkW zu erreichen sind.
Für die Zukunft rechnet der Reedereichef mit weiter wachsenden Schiffen und noch kürzer werdenden Reisen. „Der Trend geht zur 7 Tage-Kreuzfahrt oder auch zum Landurlaub mit Minikreuzfahrt“, prognostiziert er. Die Zeit, so glaubt Rahe, spiele den Kreuzfahrtveranstaltern in die Hände. Angesichts der weltweit wachsenden Zahl von Urlaubern und den daraus resultierenden ökologischen Problemen bleibe nur eine Lösung, sagt er: „Die Urlauber müssen aufs Wasser!“ sr, Foto: L. Dommermuth |