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Vorsicht Werksspion! Votrag beim Marketing-Club Drucken E-Mail
29.01.2007
Frank Michaelis (re.)
Frank Michaelis (re.)
„Das Böse ist immer und überall“ sang einst die Popgruppe „Erste allgemeine Verunsicherung“. Diese Behauptung kann Frank Michaelis nur unterstützen. Datenklau, Werksspionage, Produktfälschung, Produkterpressung, Entführung, Geiselnahme  - kriminelle Bedrohungen und Angriffe auf Unternehmen und Unternehmer drohen jederzeit und überall, sagt der Gründer der Beratungsfirma „Toribos GmbH.  In einem Vortrag vor rund 50 Mitgliedern und Gästen des Marketing-Clubs Lübeck in der Lübecker Musik- und Kongresshalle berichtete der ehemalige Kriminalbeamte, was er und seine Mitarbeiter tun können, um Unternehmen vor solchen Risiken zu schützen. „Das Risiko steigt durch das weltweit wachsende Wohlstandsgefälle, doch gerade mittelständische Unternehmen sind auf solche Krisen überhaupt nicht vorbereitet“, warnte er.


„Kriminelle Angriffe auf Unternehmen – Krisenmanagement der besonderen Art“ lautete denn auch der Titel seines Vortrages, den der ehemalige Drogenermittler mit vielen praktischen Beispielen anreicherte. „Es geht nicht nur um den materiellen Schaden und um das Leid, das zum Beispiel eine Entführung für das Opfer und seine Familie bedeutet. Solche Krisen ziehen sich oft über Wochen und Monate hin. In dieser Zeit muss das Unternehmen handlungsfähig bleiben“, mahnte er.

Michaelis und sein Team – überwiegend ehemalige Polizisten und Nachrichtendienstmitarbeiter mit langjährigen Berufserfahrungen – sorgen im Fall der Fälle dafür, dass die Handlungsfähigkeit erhalten bleibt. Sie organisieren die Betreuung von Familienangehörigen und halten dem betroffenen Unternehmen die Presse vom Leib. „Keine Öffentlichkeit ist die oberste Devise“, betonte er. Die Gefahr, Opfer einer Entführung und Erpressung zu werden, sei allerdings nicht allzu groß, beruhigte er. „Zwar werden in Ländern wie Kolumbien, Mexiko oder China jedes Jahr rund 3500 Menschen entführt, aber 90 Prozent der Entführungsopfer sind Einheimische. In Deutschland gibt es pro Jahr zwischen 90 und 100 Fälle von erpresserischem  Menschenraub“, berichtete er. „Gefährdet sind in erster Linie Personen mit Geld und festen Gewohnheiten. Nicht immer den gleichen Weg ins Büro zu nehmen, ist also ein guter Schutz“, riet er.

Weit realer seien allerdings in den meisten Fällen die Bedrohungen durch Datenklau, Untreue und Markenpiraterie. „Oft finden Kriminelle Angriffspunkte im Unternehmen in unzufriedenen Mitarbeitern. Für ein gutes Betriebsklima zu sorgen, ist deshalb eine wirksame Vorbeugung, neben technischen Maßnahmen zum Datenschutz, Zugangsrestriktionen in sensiblen Bereichen und anderem“, erläuterte Michaelis. Damit es aber gar nicht erst so weit kommt, bietet sein 2002 gegründetes Unternehmen auch die diskrete Überprüfung von potenziellen Mitarbeitern und ausländischen Geschäftspartnern. „Gerade in Osteuropa lauert zunehmend Gefahr. Dort gibt es inzwischen Söhne und Töchtern von Unternehmen, die die besten Schulen und Universitäten besucht haben und nur nach Möglichkeiten suchen, schmutziges Geld in westeuropäischen Firmen zu waschen“, warnte er.
sr, Foto: Liliane Domermuth
 

 
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