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Seit Jahren kämpft Dr. Werner Marnette, Vorstandsvorsitzender der Norddeutschen Affinerie, gegen die hohen Strompreise in Deutschland und hat sich deshalb sogar mit den großen Stromerzeugern angelegt. Kein Wunder, bei einer Stromrechnung von rund 52 Millionen Euro pro Jahr, schließlich ist das Unternehmen als größter Kupferproduzent Europas ein sehr energieintensiver Betrieb. In einem Vortrag beim Marketing-Club Lübeck in der Aula der Ernestinenschule erläuertet Marnette, dass es ihm bei diesem Kampf nicht nur um die Belange der Norddeutschen Affinerie geht. „Die hohen Energiepreise in Deutschland sind ein Ergebnis der Verkettung der stark ökologisch orientierten Energiepolitik der Bundesregierung mit den einseitigen Interessen der Energiewirtschaft“, sagte er.
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Die Norddeutsche Affinerie mit Hauptsitz in Hamburg wurde 1866 gegründet und ist seit 1998 an der Börse notiert. 1999 übernahm der Konzern vom Lübecker Possehl-Konzern die Hüttenwerke Kayser in Lünen, im Gegenzug hält Possehl seither Anteile an der Norddeutschen Affinerie
Der viel diskutierte Klimaschutz sei wichtig, müsse aber global betrieben werden. „Deutsche oder auch europäische Alleingänge nützen nichts, wenn die größten Kohlendioxidverursacher, nämlich die USA, China und Russland überhaupt keinen Beitrag zur Reduzierung des CO²-Ausstoßes leisten“, sagte er. Die EU-Energiepolitik übertreibe die Förderung der erneuerbaren Energien und jage dadurch die Energiepreise weiter in die Höhe. „Es kostet 500 Euro, eine Tonne CO² durch Photovoltaik zu vermeiden. Wenn man dagegen die Laufzeit eines Kernkraftwerkes verlängert, reduziert man den CO²-Ausstoß auch und spart dabei noch 19 Euro pro Tonne“, rechnete er vor. Der in Deutschland geplante Ausstieg aus der Kernenergie sei also sowohl klimapolitisch als auch ökonomisch der falsche Weg, sagte Marnette, der zugleich vor einer weiteren „De-Industriealisierung“ Deutschlands warnte. Bis 2010 könnte sonst die Zahl der Beschäftigten in der Industrie von derzeit rund acht Millionen auf sechs Millionen zurückgehen.
Den hohen Strompreisen will die Norddeutsche Affinerie durch den Bau eines eigenen Müllverbrennungskraftwerkes entkommen. Für 328 Millionen Euro plant der Konzern zusammen mit der Hamburger Stadtreinigung eine Anlage, in der pro Jahr 750 000 Tonnen hochkalorischer Müll verbrannt werden können. Bis zu 800 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr sollen so erzeugt werden – nicht nur für den Eigenbedarf. Für Kooperationen mit anderen Abnehmern sei man offen, sagte Marnette.
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