 Hartmut Klenke Talk, Talk, Talk – im deutschen Fernsehen wird soviel geplaudert, wie noch nie. 60 Talkshows mit rund 15 000 Gästen pro Jahr gibt es zurzeit im deutschen Fernsehen, die Formate reichen von der seriösen Gesprächsrunde mit Politikern bis zum Krawalltalk am Nachmittag. Man kann diese Sendeform lieben oder hassen, doch eine Frage bewegt wohl fast jeden: Wie geht es weiter mit den Talkshows? Antwort auf diese Frage gab im Marketing-Club Lübecker einer, der es wissen sollte: der Geschäftsführer der “doc.station Medienproduktion GmbH“, Hartmut Klenke. Er produziert neben anderen Sendungen seit acht Jahren die Talkshow mit „Maybritt Illner“ im ZDF. Deren Moderatorin hat gerade selbst für Schlagzeilen gesorgt - durch ihre Beziehung zu Telekomchef René Obermann. Deshalb bewegte auch die Frage die Runde, ob Illner denn jetzt noch glaubwürdig ist.
„Sie ist“, war die ziemlich einstimmige Meinung der kleinen Runde, die sich zu dem Abend mit Hartmut Klenke eingefunden hatte. Der war kurzfristig für eine erkrankte Referentin eingesprungen. Da er aber wegen „Maybritt Illner“ donnerstags immer in Berlin sein muss, wurde der Vortrag auf einen Mittwoch verschoben. So trafen sich leider nur ein gutes Dutzend Clubmitglieder und Gäste im Bistro „Remix“ in der Lübecker Altstadt zu einer exklusiven Talkrunde mit dem Talkshowmacher. Der plauderte frei von der Leber weg und auch ein bisschen aus dem Nähkästchen. „Viel wichtiger als der Talkmaster für den Erfolg einer Talkshow ist der Regisseur. Der bestimmt die Beleuchtung und die Platzierung der Gäste, und diese Faktoren bestimmen darüber, welcher Talkgast sympathisch rüberkommt, und welcher nicht“, verriet Klenke. Deshalb werde Anne Will mit ihrer gleichnamigen Talkshow auch wenig Erfolg haben, prophezeite er. „Das Licht ist zu weich, und die Gäste sitzen viel zu weit auseinander. Die müssen eng aufeinander sitzen, sonst entsteht keine Konfrontation“, sagte der Fachmann. Nur am Rande sei erwähnt, dass „Anne Will“ im Konkurrenzsender ARD läuft.
Talkshows gibt es im deutschen Fernsehen seit Anfang der 1970er Jahre. Die erste war „Je später der Abend“ mit Dietmar Schönherr, die 1971 auf Sendung ging. „Die Themen einer Sendung bestimmt die aktuelle Politik, aber auch die Meinungslage bei den Bürgern“, verriet Klenke. „Wir schauen immer am Montag auf die Agenda des Bundestages beziehungsweise des Bundesrates, welche Themen dort gerade anstehen. Dann schauen wir auf die Schlagzeilen von Bild-Zeitung, Spiegel und Focus. Deshalb ist in dieser Woche zum Beispiel das Thema Diätenerhöhung rausgefallen – das war offenbar kein Aufreger mehr“, berichtete er. Eingeladen werden die Gäste für die Sendung am Donnerstag frühestens am Dienstag und spätestens am Donnerstag – wenn nämlich das ursprünglich geplante Thema platzt. „Die Auswahl der Gäste ist schwieriger geworden, seit in Berlin die große Koalition regiert, weil es weniger Politiker gibt, die öffentlich konträre Positionen vertreten“, sagt er.
Bleibt die Frage, was die Zuschauer an Talkshows welchen Zuschnitts auch immer so fasziniert. Am deutlichsten werde das bei den „Leute-Talks“, wie sie Johannes B. Kerner und Günter Jauch präsentieren, erläuterte Klenke. „Der Zuschauer schaut wie durch ein Schlüsselloch, um bislang unbekanntes von ihm zu erfahren, und er hofft dabei immer irgendwie auf einen Skandal oder eine skandalöse Nachricht. „Der Rausschmiss von Eva Herrmann bei Kerner war so ein erhoffter Skandal“, sagte er. Seine Prognose: „Die Talkshow hat Zukunft, vor allem die Dinosaurier dieses Formats und der Polit-Talk haben Bestand. Aber auch neue Formen, wie der „Koch-Talk“, haben eine Chance. Warum nicht ein Format wie „das perfekte Promi-Dinner“ zur Talkshow ausbauen?“ meinte Klenke.
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