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Expertin: Nachhaltigkeit ist mehr als ein Marketing-Feigenblatt! |
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| 02.05.2008 |
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Die Zeiten sind vorbei, in denen sich Unternehmen nur um Gewinnsteigerung und Shareholder-Value kümmern mussten. Selbst der Blick auf den Umweltschutz reicht heute nicht mehr. Nachhaltigkeit ist gefragt, sowohl in ökologischer, als auch in ökonomischer Hinsicht, gepaart mit sozialer Verantwortung. „Corporate Social Responsibility“ (kurz: CSR) heißt das neue Schlagwort. „Doch CSR ist kein Marketingfeigenblatt. Argumente wie Nachhaltigkeit und soziales Engagement nur als Marketinginstrumente einzusetzen ist gefährlich, da die Inhalte auch hinterfragt werden“, warnte CSR-Expertin Karin Sahr in einem Vortrag vor Mitgliedern und Gästen des Marketing-Clubs Lübeck.
Doch sie zeigte auch die Chancen auf. „Gutes Nachhaltigkeitsmanagement minimiert das Risiko eines Unternehmens, da auch der Kapitalmarkt zunehmend auf die Nachhaltigkeit von Unternehmen achtet“, sagte sie. Die Referentin ist Mitglied im CSR-Team der Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young AG und hat mehrere Bücher zum Thema verfasst.
„CSR meint mehr, als nur den Schutz der Umwelt rund um den eigenen Standort und die jährliche Spende an ein Sozialprojekt „anstelle von Weihnachtsgeschenken“, sagte Sahr. „Es geht um Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung im globalen Sinn. Der Schutz der Urwälder durch die Vermeidung von Abholzung gehört ebenso dazu, wie die Frage, unter welchen Bedingungen Arbeitskräfte in Asien Produkte für europäische Firmen und Verbraucher herstellen“, erläuterte sie. Die Globalisierung, die moderne Informationstechnologie und eine zunehmend kritischer werdende Öffentlichkeit, die die Schere zwischen Arm und Reich sehr genau beobachte und hinterfrage, als das seien die Treiber von CSR. Insofern sei die Nachhaltigkeit eines Unternehmens auch ein Verkaufsargument, sagte Sahr: „Im Gegensatz zur Corporate Citizenship durch Sponsoring, Stiftungen und Wohltätigkeitsaktionen ist CSR ein Mittel zum Geldverdienen.“
CSR bietet Vorteile auch fürs eigene Unternehmen, das machte Sahr klar. „Es bringt mehr Langfristigkeit in die Unternehmensplanung und –kommunikation und spielen auch bei der Bewertung von Unternehmen durch Rating-Agenturen zunehmend eine Rolle“, sagte die Referentin. In Deutschland veröffentlichen bereits 130 Unternehmen CSR-Berichte, in denen sie zum Beispiel eine sozial und ökologisch korrekte internationale Lieferkette nachweisen. „Es stellt sich dabei allerdings oft die Frage nach den Grenzen des Exports westlicher Werte angesichts von Armut und Hunger“, räumte Sahr ein. „Wir verurteilen Kinderarbeit, doch in manchen Ländern tragen die Kinder durch ihre Arbeit eben auch zum Familieneinkommen bei.“
sr
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