 Totentanz Aktivitäten im St. Annen Museum, in der Kunsthalle St. Annen, in St. Marien und im Dom
Bernt Notke (1435 – 1509) gilt als der bedeutendste Maler und Bildhauer des Ostseeraums im ausgehenden Mittelalter. Anlässlich des 500. Todestages erinnert Lübeck mit Ausstellungen und Veranstaltungen an den großen Künstler. Im Rahmen eines Pressegesprächs in der Kunsthalle St. Annen wurde das mehrwöchige Programm zum Bernt Notke-Jubiläum am heutigen Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellt. In der Kunsthalle St. Annen und im St. Annen-Museum werden zum Bernt Notke-Jubiläum zwei Ausstellungen unter dem gemeinsamen Titel „Übergänge“ eröffnet. Dazu gibt es ein vielfältiges Rahmenprogramm mit Musik, Tanz, Führungen, Spaziergängen und museumspädagogischen Angeboten. In der Marienkirche und im Dom sind ebenfalls künstlerische Auseinandersetzungen mit Bernt Notke zu sehen, darüber hinaus bieten die beiden großen Innenstadtkirchen Festgottesdienste, Vorträge, Führungen und Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Das Programm im Überblick
St. Annen-Museum:Im St. Annen-Museum ist vom 10. Mai bis zum 16. August die Ausstellung „Tanz mit dem Totentanz. Eine Ausstellung von Hartmut Kraft anlässlich des 500. Todestages von Bernt Notke“ zu sehen. „Lübeck ehrt den großen Künstler in den kommenden Wochen mit einem vielfältigen Programm“ erklärte Museumsleiterin Dr. Hildegard Vogeler und ergänzte: „Im St. Annen-Museum zeigen wir eine hochinteressante Auseinandersetzung zeitgenössischer Künstler mit dem berühmten Lübecker Totentanz, den der junge Bernt Notke 1463 für die Marienkirche schuf.“ Im Zentrum der Ausstellung steht die 1866 von Wilhelm Mantels und Carl Julius Milde herausgebrachte Publikation „Der Todtentanz in der Marienkirche zu Lübeck“, die den mittelalterlichen Fries in Form von acht lithografierten Tafeln zeigt. Von diesen Lithografien existiert ein einziges koloriertes Exemplar (in der Lübecker Stadtbibliothek), das Hartmut Freytag 1989 mit einer ausführlichen Einleitung neu herausgab. Diese kolorierte Neuausgabe lag den 25 internationalen Künstlerinnen und Künstlern vor, die auf Initiative des Kunstsammlers Dr. Hartmut Kraft das Totentanzbuch modern überformten. Ihr Thema: die Neubildung aus dem Zerstörten, das Leben und der Tod – und die Übergänge, die dazwischen liegen. Die Bandbreite der Arbeiten ist groß und reicht von der Malerei, Zeichnung und Fotografie bis hin zum Röntgenbild. Die neu entstandenen Werke zeigen, dass sich das Motiv von Tod und Totentanz nicht auf das Mittelalter beschränkt, sondern immer wieder herausfordert – zeitlos und ohne Rücksicht auf das Lebensalter. Mit der Bilderfolge des historischen Totentanzes als Grundlage schlagen die Arbeiten eine Brücke zu dem ehemals imposanten Fries der Marienkirche und zu dem Künstler Bernt Notke, der zu den bedeutendsten zählt, die je in Lübeck gearbeitet haben. So ist diese Ausstellung auch als Hommage an den mittelalterlichen Meister zu sehen, der 1509 in Lübeck verstarb. Zur Ausstellung ist ein reich bebilderter Katalog von Hartmut Kraft erschienen. Führungen durch die Totentanz-Ausstellung mit Dr. Hildegard Vogeler gibt es am 24. Mai, 11.30 Uhr, am 25. Juni, 18 Uhr und am 13. August, 18 Uhr. Eine Führung auf den Spuren von Bernt Notke in der Katharinenkirche gibt es am 26. Juli, 11.30 Uhr. Weitere Führungen und Spaziergänge sind buchbar unter 0451-122 4137 (Führungen) oder 0451-72300 (Spaziergänge). Ein Abend mit Lesung und Musik findet am Donnerstag, 18. Juni um 18 Uhr im Remter des St. Annen-Museums statt. Titel: „Tanzmeister Tod – spiel auf!“ www.die-luebecker-museen.de
Kunsthalle St. Annen:
In der Kunsthalle St. Annen in Lübeck ist vom 10. Mai bis zum 28. Juni 2009 die Ausstellung „Klaus Hack – Schreikleider und Altäre“ zu sehen. Klaus Hack, Schüler des renommierten Bildhauers Lothar Fischer, schafft Skulpturen aus Holz, die partiell mit weißer Farbe gefasst werden. Vorbild für seine Reihe der „Schreikleider“ sind die unter dem Titel „Der Schrei“ berühmt gewordenen Bilder von Edvard Munch. Der Ausdruck „Schreikleider“ beschreibt dabei keine schreiende Person oder Gestalt, sondern vielmehr die äußere Hülle, eben das Kleid. Diese sich an der menschlichen Gestalt orientierenden Kunstfiguren können ein aufregendes Eigenleben entfalten und unterschiedlichste Assoziationen im Betrachter auslösen. Neben den variationsreichen Einzelwerken bildet der Künstler auch altarförmige Werke, die sich eng an die Formen mittelalterlicher Altäre anlehnen. Eigens für die Ausstellung wird Klaus Hack, dem die Altarwerke des St. Annen-Museums aus eigener Anschauung bekannt sind, neue Altäre für das Museum entstehen lassen. Den Bezug zum Bernt Notke-Jubiläum bilden bis zu zwei Meter hohe Druckgrafiken, die in der Kunsthalle zu sehen sein werden: Sie setzen sich inhaltlich mit einem mittelalterlichen Totentanz auseinander. Die für die Drucke verwendeten Druckstöcke – es sind ausgehöhlte Baumstämme – werden dabei als eigenständige Skulpturen präsentiert. Aquarelle und Zeichnungen von Klaus Hack werden die Ausstellung vervollständigen. Führungen durch die Klaus Hack-Ausstellung mit Dr. Thorsten Rodiek gibt es am 14. Mai, 18 Uhr, am 28. Mai, 12.30 Uhr, am 14. Juni, 11.30 Uhr und am 28. Juni, 11.30 Uhr. Eine Filmpräsentation erwartet Filminteressierte am 28. Juni im Filmhaus Lübeck. Gezeigt wird „Der Tanz mit dem Tod“ von Eckhard Blach. Bei der Veranstaltung handelt es sich um eine Kooperation mit der Kunsthalle St. Annen. Dr. Thorsten Rodiek wird eine Einführung geben. In der Ausstellung wird ein Mitschnitt von „Horst Janssens Neujahrsrede in St. Marien“ präsentiert. Horst Janssen hielt die Rede in St. Marien zu Lübeck im Jahr 1986 zur Vorstellung des Buches von Joachim Fest „Der tanzende Tod“. Initiiert wurde diese Präsentation durch das Kunsthaus Lübeck. www.die-luebecker-museen.de
Die beiden Ausstellungen im St. Annen-Museum und in der Kunsthalle St. Annen werden am Sonntag, 10. Mai 2009 um 11.30 Uhr – nach dem Gottesdienst in der Marienkirche - unter dem gemeinsamen Titel „Übergänge“ eröffnet. Erläuterungen zur Ausstellung in der Kunsthalle St. Annen gibt Dr. Thorsten Rodiek, zur Ausstellung im St. Annen-Museum Dr. Hildegard Vogeler. Ein Grußwort spricht Pastor Dr. Bernd Schwarze, St. Marien. Der Kunstsammler Hartmut Kraft wird einen Kurzvortrag halten. Musici Lubicensis wird die Veranstaltung musikalisch umrahmen.
St. Marien in Lübeck Mit der Ausstellung von Werken des Künstlers Peter Gilles leistet die Marienkirche einen Beitrag zum Gedenken an das 500. Todesjahr Bernd Notkes. „Peter Gilles: Totentanz“ ist vom 10. Mai bis zum 7. Juni 2009 täglich von 10 bis 18 Uhr in St. Marien zu sehen. Peter Gilles wurde 1953 in Köln geboren und erhielt dort – nach einer Ausbildung zum Reproduktionstechniker – seine künstlerische Prägung. Neben dem Zeichnen fand er bereits 1978 seine spezifische künstlerische Ausdrucksform: den Abdruck des eigenen Körpers im eigenen Blut. Die Grenzen des eigenen Körpers auszuloten, stellt eine permanente Größe in Gilles’ Werk dar. Seit 2004 kehrt das Motiv des Totentanzes in seinem Werk immer wieder. Den Künstler beschäftigt seither der Themenkreis von Geburt, Existenz und Tod. „Peter Gilles wagt eine ungewöhnliche und ergreifende Darstellung des tänzerischen Kampfes zwischen Leben und Tod. Was uns wichtig ist: Wir wollen nicht nur die Bildersprache in St. Marien um eine moderne Nuance erweitern, sondern mit der Ausstellung und den begleitenden Programmen unsere Besucher anregen, sich mit den großen Lebensfragen auseinanderzusetzen“, erklärte Pastor Dr. Bernd Schwarze. Die Ausstellungseröffnung findet im Rahmen des Galerie-Gottesdienstes „Totentanz – Der Tanz des Glaubens“ am Sonntag, 10. Mai um 10 Uhr in St. Marien statt. Mitwirkende des Gottesdienst sind Pastor Dr. Bernd Schwarze, Pastorin Ina von Kortzfleisch, Dr. Thorsten Rodiek, Dr. Hildegard Vogeler, die Lübecker Knabenkantorei unter der Leitung von Michael D. Müller und Prof. Ernst-Erich Stender (Orgel). Auch der Künstler Peter Gilles wird persönlich anwesend sein. Vom 11. Mai bis 5. Juni 2009 können Schüler ab Klassenstufe 5 in St. Marien, St. Annen-Museum und im Archäologischen Museum an der Totentanz-Lernwerkstatt teilnehmen. Die Themen der Lernwerkstatt reichen vom „Totentanz von Peter Gilles“ über den „Lübecker Totentanz und seine Geschichte“ bis hin zu „Leben und Wirken von Bernt Notke“ und „Der Totentanz und die Musik“. Die Lernwerkstatt, die jeweils von 9 bis 12 Uhr oder von 14 bis 17 Uhr besucht werden kann, ist für die Unterrichtsfächer Deutsch, Geschichte, Religion, Kunst, Musik und Biologie geeignet. Beratung und Anmeldungen erfolgt über die Museumspädagogin Roswitha Lehna unter Telefon 0451-122 4273. Teilnahmegebühr für die Lernwerkstatt: 2 Euro pro Person. Vom 12. bis 16. Mai und vom 19. bis 23. Mai finden in St. Marien jeweils um 16 Uhr Themenführungen „Der Tanz mit dem Totentanz“ statt. Außerhalb dieser Termine sind Führungen individuell buchbar unter Telefon 0451-39 23 54. www.die-luebecker-museen.de
Dom zu LübeckIm Lübecker Dom, der mit dem Triumphkreuz ein wichtiges Werk Bernt Notkes beherbergt, ist vom 5. bis 31.Mai der „Neue Lübecker Totentanz“ des Wiener Malers Prof. Herwig Zens aus dem Jahr 2003 zu sehen. Herwig Zens, einer der produktivsten Totentanz-Künstler unserer Zeit, lässt Bernt Notkes Bilderfries von 1463 wiederauferstehen: Auf 26 Metern Leinwand tanzen im Dom die Toten mit den Lebenden. „Unser Programm zum Jubiläumsjahr verstehen wir als Beitrag, Bernt Notkes kultur- historische Bedeutung gerade auch für die Gegenwart einem größeren Publikum nahe zu bringen“, erklärte Pastor Dr. Matthias Riemer. Im Lübecker Dom finden am 5., 8., 12., 15. und 19. Mai Vorträge statt, die u.a. Bernt Notke und seine Bedeutung für Lübeck thematisieren. Teilnahmegebühr pro Abend: 2 Euro. Am Sonntag, 17. Mai um 10.40 Uhr findet ein großer Festgottesdienst mit Pastor Dr. Matthias Riemer, Pastor Martin Klatt und Pastor Wolfgang Grusnick statt. Der Lübecker Domchor und Mitglieder der Lübecker Philharmoniker musizieren aus Georg Friedrich Händels „Messias“. Am Donnerstag, 21. Mai (Himmelfahrt) musiziert Capella de la Torre beim großen Abschlusskonzert „Narrabo opera Dei“ auf historischen Instrumenten. Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 15 Euro. Der Dom bietet zudem kirchenpädagogische Workshops für Kindergartengruppen und Schulkassen an, die sich mit verschiedenen Aspekten der spätmittelalterlichen Lebenswelt Bernt Notkes beschäftigen. Die Angebote verstehen sich als Ergänzung zum Religions-, Geschichts-, und Kunstunterricht. Inhalte und Methoden werden nach dem Alter und den Vorkenntnissen der Teilnehmer variiert. Nähere Informationen gibt es unter Telefon 0451-74704 (Vorträge, Konzert, kirchenpädagogisches Programm) oder unter 0451- 4003672 (kulturpädagogisches Programm, Führungen für Erwachsene). www.domzuluebeck.de Quelle: Kulturstiftung Lübeck |