_a3816abd0decaebca5c67e712afa0b19.jpg) Das Arsenal des Dramatikers Sonderausstellung im Günter Grass-Haus, Eröffnung am Mittwoch, 3. Juni 2009, 19 Uhr (Katharinenkirche)
Wenige Schriftsteller haben ein so vielseitiges Gesamtwerk hinterlassen wie Friedrich Dürrenmatt. Seine schriftstellerischen Arbeiten wurden Welterfolge. Das Günter Grass-Haus in Lübeck zeigt jetzt eine in Deutschland weitgehend unbekannte Facette seines Schaffens: seine Arbeit als bildender Künstler. Ausstellungseröffnung ist am 3. Juni in der Katharinenkirche. Seit mehr als sechs Jahren zeigt das Günter Grass-Haus in Lübeck die wechselseitige Beziehung von Literatur und Kunst im Werk des Literaturnobelpreisträgers, Grafikers und Bildhauers Günter Grass.
Als „Forum für Literatur und bildende Kunst“ stellt das Günter Grass-Haus auch andere künstlerische Mehrfachbegabungen vor. In den letzten Jahren wurden Sonderausstellungen über die Wort- und Bildkunst von Johann Wolfgang von Goethe, Hermann Hesse, Wilhelm Busch und Robert Gernhardt präsentiert.
Vom 3. Juni bis zum 30. August 2009 wird das Haus nun die Ausstellung „Das Arsenal des Dramatikers. Die Bildkunst Friedrich Dürrenmatts“ ausrichten, die das literarische Schaffen des Schweizers von einer in Deutschland bislang wenig bekannten Seite her erschließt.
Ebenso wie Günter Grass war Friedrich Dürrenmatt zeitlebens auch als bildender Künstler tätig. Der bildhafte Einfall, das „Heimgesucht werden“ von Bildern, spielte für den Dramaturgen eine außerordentlich wichtige Rolle. Erst nach Jahren des Schwankens zwischen einer Tätigkeit als bildender Künstler und einer Tätigkeit als Schriftsteller hatte Friedrich Dürrenmatt in der Synthese der beiden Disziplinen - in der darstellenden Kunst des Theaters - seine Erfüllung gefunden. Nichtsdestotrotz zeichnete und malte er parallel zum schriftstellerischen Schaffen, bereitete in seinen Texten auftauchende Themenkreise, Handlungsstränge und Bilder vor und nach oder entwickelte sie weiter.
In diesem Sinne präsentiert die Ausstellung verschiedene Formen seiner bildkünstlerischen Tätigkeit und setzt sie zum gleichermaßen facettenreichen literarischen Werk Friedrich Dürrenmatts in Beziehung: Buchillustrationen, szenisch angelegte Federzeichnungen, Bühnenbilder, Karikaturen und freie Motiv-Assoziationen verweisen in der Ausstellung auf populäre Dramen wie den „Besuch der alten Dame“, „Die Physiker“ und „Der Meteor“. Sie leisten aber auch einen wichtigen Beitrag zur Erschließung weniger bekannter Texte, wie dem frühen „Es steht geschrieben“, dem Hörspiel „Strawinsky und der Nationalheld“ oder den autobiographischen „Stoffen“, die dem Betrachter zugleich in Manuskripten, Notizen und Briefen näher gebracht werden.
Eine interessante Ergänzung findet das Projekt durch die filmische Annäherung an den Künstler, durch den sehr persönlichen Dokumentarfilm „Das Porträt eines Planeten“, den die Schauspielerin und Regisseurin Charlotte Kerr Dürrenmatt gedreht hat. Der 4-Stunden-Film ist in der Ausstellung durchgehend zu sehen.
Darüber hinaus werden im Anbau des Günter Grass-Hauses Portraits von Friedrich Dürrenmatt präsentiert – fotografiert von Robert Lebeck.
Die Ausstellung in Lübeck wurde durch eine enge Zusammenarbeit mit dem Centre Dürrenmatt in Neuchâtel ermöglicht. Sie wird am Mittwoch, 3. Juni 2009 in der Lübecker Katharinenkirche mit einer abwechslungsreichen literarischen Veranstaltung eröffnet.
Eingeleitet wird die Vernissage mit einer Einführung der Kuratorin Viktoria Krason. Darauf folgt eine Lesung der Initiatorin des Centre Dürrenmatt, der Schauspielerin und Regisseurin Charlotte Kerr Dürrenmatt, aus einem Werk ihres verstorbenen Mannes. Den dritten Teil der Veranstaltung bildet ein Podiumsgespräch zwischen Adolf Muschg und Günter Grass.
Sowohl Günter Grass als auch Adolf Muschg stehen mit dem Werk und Leben Friedrich Dürrenmatts in enger Verbindung. Wie Friedrich Dürrenmatt zählen sie zu den wichtigsten deutschsprachigen Autoren der Nachkriegszeit. Grass und Dürrenmatt setzten sich in ihrem Schaffen gleichermaßen intensiv mit der Verantwortung und Schuld des Einzelnen in Anbetracht der jüngsten deutschen Vergangenheit und ebenso mit aktuellen politischen Verhältnissen auseinander. Gleiches gilt für Adolf Muschg, der sich wie Dürrenmatt besonders kritisch mit der Schweiz befasste.
Die Ausstellung „Das Arsenal des Dramatikers. Die Bildkunst Friedrich Dürrenmatts“ wurde von der wissenschaftlichen Volontärin des Günter Grass-Hauses, Viktoria Krason, kuratiert. Es ist ihre erste Ausstellung. Viktoria Krason stammt aus Polen, lebt seit 1987 in Deutschland. Ihre wissenschaftliche Ausbildung begann sie im Jahr 2001 mit einem Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie in Münster. Nach einem Auslandssemester in Venedig setzte sie das Studium im Jahr 2004 an der Berliner Humboldt-Universität fort und beendete es im Jahr 2007. Nach dem Studienabschluss arbeitete sie zunächst freiberuflich als Kunsthistorikerin und als Redaktionsassistentin bei der Deutschen Hörfilm gGmbH. Seit Anfang des Jahres ist sie Volontärin im Günter Grass-Haus. Rahmenprogramm zur Ausstellung:
Filmpräsentationen In Kooperation mit dem Filmhaus Lübeck und den Kommunalen Kino werden vier filmische Adaptionen von Texten Friedrich Dürrenmatts gezeigt: 2. Juli, 20 Uhr, Filmhaus: „Es geschah am helllichten Tag“, 9. Juli, 20.30 Uhr, Kommunales Kino: „Hyènes. Der Besuch der alten Dame“ 16. Juli, 20.30 Uhr, Kommunales Kino: „The Visit. Der Besuch“ 2. August, 20 Uhr, Filmhaus: „The Pledge. Das Versprechen“.
Führungen Führungen durch die Dauer- und die Sonderausstellung gibt es am 4. Juni, 15 Uhr 6. Juni, 15.30 Uhr 8. Juni, 15 Uhr
Lehrerfortbildung Am Donnerstag, 11. Juni, findet im Günter Grass-Haus eine Fortbildung für Lehrer statt. Die Pädagogen bekommen von der Lehrerin und Museumspädagogin Uschi Häckermann interessante Anregungen und Tipps für den Deutsch- und/oder Kunstunterricht. Interessierte Lehrer können auch spezielle Schülerführungen durch die Ausstellung buchen. Die Fortbildungsveranstaltung beginnt um 15 Uhr und dauert zwei Stunden. Kosten: 15 Euro pro Person. Anmeldungen werden erbeten unter 0451-122 4230.
Quelle: Kulturstiftung Lübeck
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