 Nathan der Weise Dramatisches Gedicht von Gotthold Ephraim Lessing Premiere am Freitag, 05. Februar 2010, 19.30 Uhr, Großes Haus
Das „Heilige Land“, Brennpunkt eines unheiligen Konfliktes, ist der rätselhafte Magnet der drei monotheistischen Weltreligionen. Was bindet die Menschen an diesen Ort? Was sind ihre Hoffnungen und Ängste? Ist eine Lösung der Konflikte im heutigen Nahen Osten menschenmöglich? Lessing zwingt uns in seinem bekanntesten Stück, der Wahrheit ins Auge zu blicken: Seine radikale Formel von Toleranz und Menschenliebe bedingt die Akzeptanz eines Gegenübers, mit dem man sich streiten kann und soll.
Nathan, ein reicher jüdischer Kaufmann, kehrt von einer Handelsreise nach Jerusalem zurück und erfährt, dass in seinem Haus ein Brand gewütet hat, dem seine Pflegetochter Recha nur knapp entronnen ist. Ausgerechnet ein christlicher Tempelherr, erklärter Feind aller Nichtchristen, hat sie aus den Flammen gerettet. Ein Wunder oder schlichte Menschlichkeit?
Lessing zeigt Jerusalem als Schauplatz menschlicher Widersprüche – und als Labor menschlicher Utopien. Das macht sein Stück so aktuell. Genau hier, wo Hass und Utopie aufeinander prallen, soll der Schlüssel liegen für Glück und Toleranz. Die Figuren wirken wie Idealbilder, wie Überlebende einer traumatischen Situation. Lessing entzieht sich jedem Realismus und geht der Wahrheit auf den Grund. Welchen Sinn hat Religion? Ist Nathan aufgrund seiner eigenen schmerzhaften Erfahrungen – einem Pogrom, dem vor Jahren seine Frau und seine sieben Söhne zum Opfer fielen - nicht längst zu einem Atheisten, einem zweiten Hiob, zu einem Zyniker, geworden? Ist das Maß der Wahrheit nicht allein der Mensch – und nicht das Bild eines eifersüchtigen Gottes? Andreas Nathusius, der in der vergangenen Spielzeit mit großem Erfolg Henrik Ibsens „Peer Gynt“ inszeniert hat, stellt sich diesen Fragen und konfrontiert Lessings Aufforderung zur Toleranz mit dem Wahrheitsfanatismus von heute. Die Kostprobe findet am Montag, 01. Februar, um 18.30 Uhr im Großen Haus statt.
Inszenierung: Andreas Nathusius
Bühne / Kostüme: Annette Breuer
Musik: Felix Huber
Mit: Lisa Charlotte Friedrich, Ulrike Knospe, Viola Neumann; Till Bauer, Renato Grünig,
Andreas Hutzel, Jörn Kolpe, Sven Simon, Will Workman
Premiere Freitag, 05. Februar 2010, 19.30 Uhr
Weitere Vorstellungen Sonntag, 14. Februar, 18.00 Uhr; Freitag, 19. Februar, 19.30 Uhr;
Samstag, 13. März, 19.30 Uhr; Mittwoch, 24. März, 19.30 Uhr; Freitag, 02. April, 19.30 Uhr;
Samstag, 17. April, 19.30 Uhr; Mittwoch, 28. April, 19.30 Uhr; Sonntag, 09. Mai, 16.00 Uhr;
Donnerstag, 20. Mai, 18.00 Uhr; Donnerstag, 03. Juni, 19.30 Uhr. Veranstaltungsort: Großes Haus
Quelle: Theater Lübeck
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