 Faust Zum letzten Mal: Faust. Der Tragödie Erster Teil am 21. Februar 2010 im Großen Haus
Wissenschaftler, Esoteriker, Teufelsbruder, Liebender, Egozentriker, Unternehmer – dies alles und noch viel mehr ist Goethes »Faust«, die wohl am meisten gedeutete Figur der Theatergeschichte. Wer sich mit »Faust« auseinandersetzt, der beschäftigt sich mit Goethes komplexem Menschenbild und damit, was es uns heute zu sagen hat. »Verweile doch, du bist so schön« – warum will Faust diesen Gedanken nicht empfinden, diese Empfindung des glücklichen Augenblicks nicht zu Ende denken?
Warum hat sich Faust im Pakt mit Mephistopheles der Ruh- und Rastlosigkeit verschrieben? Worauf zielt Gretchens Frage, und wer ist Gretchen: Liebende, Opfer, Märtyrerin? Warum begegnet Faust Mephistopheles, und warum scheitert auch der Teufel letztlich immer wieder?
Viele Fragen tun sich auf, die eine Neuinszenierung des »Faust« zu einem erkenntnisreichen Abenteuer werden lassen. In dieses begibt sich der Regisseur Pit Holzwarth mit dem Ausstatter Werner Brenner, dem Komponisten Achim Gieseler und dem Dramaturgen Michael Birkner – dem gleichen Team also, das auch die »Buddenbrooks « auf der großen Bühne neu entdeckt hat.
Im weit gespannten Blickfeld von Goethes »Faust« steht der Mensch zwischen Himmel und Abgrund, Gut und Böse, Freiheit und Determination, Bewegung und Ruhe, Sehnsucht und Schuld. »Faust« ist Goethes Drama des modernen Menschen. Faust, dem in seiner Wahrnehmung und seinen Kräften entfesselten Menschen, öffnet sich die Welt als Raum der Möglichkeiten. Zwischen geistigem und sinnlichem Erleben hinund hergerissen, ist Faust ein in seiner Identität gespaltenes modernes Individuum: »Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust ...« Faust setzt sich autonom und begreift sich als Selbstzweck, während er in seinem Egoismus andere, Gretchen zum Beispiel, zum Mittel seiner Genuss- und Besitzlust macht. Er erfährt Schuld als Preis seiner Freiheit und scheitert immer wieder, ohne je ganz zu verzweifeln.
Über 30 Jahre hat Goethe bereits am ersten Teil der Faust- Tragödie gearbeitet, von 1773 bis 1806. Den Mythisierungen und ideologischen Instrumentalisierungen, die die Faust- Gestalt im Laufe der Geschichte ihrer Deutungen erfahren hat, wollte Goethe keinen Vorschub leisten. Es kam ihm auf die Widersprüche an, die der Blick auf ein Menschenleben offenbart, das seine Anlagen und Kräfte entfaltet.
Inszenierung: Pit Holzwarth Musik: Achim Gieseler Ausstattung: Werner Brenner
Termin: Sonntag, 20.02.2010, 18:00 Uhr, Großes Haus Dauer: 2 Stunden, 50 Minuten inklusive einer Pause
Quelle: Theater Lübeck Bildquelle: Thorsten Wulff, Theater Lübeck Andreas Hutzel als Faust und Anne Schramm als Gretchen |