 St. Annen-Museum Jahrespressekonferenz der Lübecker Museen: erfolgreicher Rückblick 2009 und spannende Vorschau für 2010
Großartige Ausstellungen, große Neugestaltung: So könnte man die wichtigsten Themen der Lübecker Museen für das Jahr 2010 beschreiben. Einen Rückblick auf das vergangene Jahr und eine Vorausschau auf ihre Highlights boten die Museen anlässlich ihrerJahrespressekonferenz am Freitag im Sitzungssaal der Kulturstiftung der Hansestadt Lübeck. Neben dem Geschäftsführenden Direktor der Lübecker Museen, Prof. Dr. Hans Wißkirchen, nahmen daran der Stiftungsratsvorsitzende der Kulturstiftung, Frank-Thomas Gaulin, und Verwaltungsleiterin Gabriela Schröder teil.
„Ich freue mich sehr, dass die Lübecker Museen sich in einem auch für die Kultur schwierigen Umfeld im vergangen Jahr so gut behautet haben. Insbesondere freue ich mich, dass die Kunsthalle St. Annen und das St. Annen-Museum endlich die Aufmerksamkeit durch das Publikum erfahren haben, die ihnen vom Rang der Sammlungen und Ausstellungen schon lange gebührt", erklärte Prof. Dr. Hans Wißkirchen gegenüber den Journalisten.
Frank-Thomas Gaulin betonte: „Die Lübecker Museen haben in den vergangenen Jahren
deutlich an Renommee und Zuspruch gewonnen. Sie sind eine wichtige Größe innerhalb der Lübecker Kulturlandschaft, und werden immer stärker auch von den Lübeckern selbst wahrgenommen."
Rückblick 2009 Besucherzahlen
Insgesamt 264.910 Gäste haben die Lübecker Museen im Jahr 2009 besucht. Das sind knapp 4000 Besucher mehr als im Vorjahr (261.005). Extrem positiv war die Besucherentwicklung in der Kunsthalle St. Annen und im St. Annen-Museum. Im Jahr 2009 besuchten mehr als 40.000 Gäste das Haus, im Vorjahr waren es rund 22.500. Das bedeutet einen Zuwachs von 80 Prozent.
Das am stärksten besuchte Museum der Hansestadt war wiederum das Museum Holstentor mit 60.760 Besuchern. An zweiter Stelle auf der Beliebtheitsskala steht das Lübecker Buddenbrookhaus. Im Jahr 2009 konnte das Literaturmuseum in der Mengstraße mehr als 56.000 Besucher für sich interessieren (Besucherplus: 5 Prozent). Das Museum für Natur und Umwelt konnte den Besucherrückgang der vergangenen Jahre stoppen und verzeichnete einen Zuwachs von 12 Prozent.
Ausstellung aus der Sammlung Würth Das große Ausstellungsereignis in der Kunsthalle St. Annen war die Sonderausstellung „DEUTSCHE BILDER". (11.7. bis 4.10. 2009). Zu sehen waren Werke namhafter deutscher Künstler, darunter Georg Baselitz, Bernd Koberling, Anselm Kiefer, Jörg Immendorf, Gerhard Richter und Sigmar Polke.
Es handelte sich um etwa 45 Gemälde und Skulpturen aus der berühmten Sammlung Würth. Die Ausstellung, die zugleich Festivalausstellung des Schleswig-Holstein-Musik-Festivals (11. 7. bis 30. 8.2009) war, lockte in den Sommerwochen rund 20.000 Besucher an. Golo Mann zum 100. Geburtstag
Aus Anlass des 100. Geburtstags von Golo Mann im Jahr 2009 erarbeitete das Buddenbrookhaus die erste große werkbiografische Ausstellung zu dem meistgelesenen deutschsprachigen Historiker der Nachkriegszeit: „Golo Mann – Die Geschichte" (6. 9. bis 22. 11. 2009). Präsentiert wurde eine Fülle nie gezeigter Originaldokumente.
Die mit Tilmann Lahme kuratierte Ausstellung erregte Aufsehen in den überregionalen Feuilletons. Derzeit ist sie in München zu sehen, für das nächste Jahr hat die Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt/Main angefragt.
50 Jahre BlechtrommelEines der Highlights des Jahres 2009 war die Sonderausstellung „Ein Buch schreibt Geschichte. 50 Jahre Die Blechtrommel" im Günter Grass-Haus (13.9.2009 bis 28.2.2010). im Günter Grass-Haus (13.9.2009 bis 28.2.2010).
Ausstellungseröffnung war am 13. September 2009 im Theater Lübeck. Den Festakt
eröffnete der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder. Im Rahmen der Ausstellung gab es ein Podiumsgespräch zwischen Volker Schlöndorff und Günter Grass über die Verfilmung des Romans „Die Blechtrommel", außerdem eine Diskussion mit Vertretern der großen deutschen Feuilletons. Junge Besucher wurden vor allem durch eine Lesereihe angesprochen, bei der bekannte junge Künstler (Smudo, Fritzi Haberlandt, Oliver Rohrbeck) aus der „Blechtrommel" vorlasen.
Tanz mit dem Totentanz Einen spannenden Dialog zwischen alter und zeitgenössischer Kunst boten das St. Annen- Museum und die Kunsthalle St. Annen ab Mai vergangenen Jahres. Anlässlich des 500. Todestages von Bernt Notke präsentierte das St. Annen-Museum eine moderne Ausstellung, die die Auseinandersetzung von Gegenwartskünstlern mit dem berühmten Lübecker Totentanz zeigt. Er wurde im Jahr 1463 von Bernt Notke für die Lübecker Marienkirche geschaffen. In der Kunsthalle St. Annen waren Werke des Bildhauers Klaus Hack zu sehen. Hack war Schüler des renommierten Bildhauers Lothar Fischer, von dem die Kunsthalle vier Arbeiten besitzt.
Museumsnacht Ein Höhepunkt des Museumsjahres war die 9. Lübecker Museumsnacht am 29. August. Sie stand unter dem Motto „Museen bewegen". Bei Wind und Regen besuchten 30.489 Erwachsene und Kinder die Museumsnacht. Das waren etwa 500 weniger als im Jahr zuvor.
An rund 30 Orten in der Stadt wurden Lesungen, Führungen, Livemusik und Tanz geboten. Die nächste Museumsnacht findet am Samstag, 28. August, statt. Vorschau 2010
St. Annen-Museum
Die große Museums-Neugestaltung der Jahre 2010/2011 betrifft das St. Annen-Museum. Im vergangenen Jahr wurden die ersten vier Räume im ersten Stock des ehemaligen Klosters umgebaut und ausstellungstechnisch neu gestaltet. Nun sollen mehr als 30 weitere Räume folgen. Die nächsten sechs werden Ende April der Öffentlichkeit präsentiert.
Für rund zwei Millionen Euro, die aus Spendengeldern, Stiftungsgeldern, Eigenmitteln und dem Konjunkturprogramm II stammen, werden die Räume modernisiert und die gesamte Ausstellung neu gestaltet. Durch den Einbau eines Aufzuges und die bauliche Veränderung des Treppenhauses wird ein publikumsfreundlicher Zugang zu einem komplett neuen Sonderausstellungsbereich ermöglicht. Der behindertengerechte Umbau soll im Sommer 2011 abgeschlossen sein.
Natalja Gontscharowa
In der Lübecker Kunsthalle St. Annen sind seit dem 7. Februar bis zum 30. Mai 2010 Werke der genialen russischen Malerin Natalja Gontscharowa zu sehen: „Zwischen russischer Tradition und europäischer Moderne".
Sie hat die russische Avantgarde mitbegründet und trug mit ihren vielfältigen Gemälden, Papierarbeiten, Kostüm- und Bühnenbildentwürfen maßgeblich zum künstlerischen Entwicklungsprozess in Russland und Europa bei. Die Malerin gehört seit einigen Jahren zu den höchst gehandelten Künstlern weltweit.
Sie hat die russische Avantgarde mitbegründet und trug mit ihren vielfältigen Gemälden, Papierarbeiten, Kostüm- und Bühnenbildentwürfen maßgeblich zum künstlerischen Entwicklungsprozess in Russland und Europa bei. Die Malerin gehört seit einigen Jahren zu den höchst gehandelten Künstlern weltweit. Expressionisten in Schleswig-Holstein
Karl Schmidt-Rottluff zählt zu den Hauptvertretern des deutschen Expressionismus. Er war Gründungsmitglied der Künstlervereinigung »Brücke« in Dresden und früh in den europäischen Kunstzentren präsent.
Von Beginn seiner Karriere an reiste er regelmäßig an die Ostsee, nach Alsen, Nidden, Hohwacht, und immer wieder nach Sierksdorf, wo er Menschen und Landschaft mit expressivem Pinselstrich und leuchtenden Farben festhielt.
In Kooperation mit dem Brücke-Museum Berlin sollen nun die Motive seiner Ostseereisen in einer umfangreichen Ausstellung präsentiert werden: „Karl Schmidt-Rottluff: Ostseebilder". Sie sind vom 13. Juni bis zum 5. September im Museum Behnhaus Drägerhaus (Werke bis in die 1930er Jahre) und in der St. Annen Kunsthalle (Sierksdorfer Motive der Nachkriegszeit) zu sehen. Die Doppel-Ausstellung ist Teil eines Gemeinschaftsprojekts mit dem Landesmuseum Schloß Gottorf in Schleswig und der Kunsthalle zu Kiel.
Die Museen arbeiten erstmals in dieser Form zusammen und wollen den Einfluss, den Schleswig-Holstein auf die Entwicklung des deutschen Expressionismus hatte, in den Blickpunkt rücken. Carl Friedrich von Rumohr / Franziska Gräfin zu Reventlow
Der 225. Geburtstag Carl Friedrich von Rumohrs ist für das Museum Behnhaus Drägerhaus im Sommer Anlass, diese wichtige Persönlichkeit der Kultur der Romantik in einer Ausstellung zu würdigen:„Carl Friedrich von Rumohr (1785–1843) und die Kunst der Romantik".
Rumohr, der aus einem alten holsteinischen Adelsgeschlecht stammte, war als Künstler, Kunstschriftsteller, -sammler, -vermittler und –förderer tätig. Er gilt als Begründer einer modernen Kunstgeschichte.
Für Lübeck ist vor allem sein Einsatz für die Kunstdenkmäler der Hansestadt, die Anregung einer musealen Nutzung der Katharinenkirche – und damit die Entwicklung der Lübecker Rumohr, der aus einem alten holsteinischen Adelsgeschlecht stammte, war als Künstler, Kunstschriftsteller, -sammler, -vermittler und –förderer tätig. Er gilt als Begründer einer modernen Kunstgeschichte. Für Lübeck ist vor allem sein Einsatz für die Kunstdenkmäler der Hansestadt, die Anregung einer musealen Nutzung der Katharinenkirche – und damit die Entwicklung der Lübecker Kunstsammlungen überhaupt - hervorzuheben. Die Jubiläumsausstellung wird in Zusammenarbeit mit der Familie von Rumohr konzipiert.
Eine Schriftstellerin und Künstlerin, die ebenfalls einen intensiven Bezug zu Lübeck hat, wird vom 12. September bis 21. November mit einer Sonderausstellung im Lübecker Buddenbrookhaus geehrt: „Franziska Graefin zu Reventlow: Alles moechte ich immer". Beide Ausstellungen werden von aufwändig produzierten Publikationen begleitet, die sich erstmals in einem wissenschaftlich umfassenden Sinne mit diesen beiden für Lübeck wichtigen Persönlichkeiten beschäftigen.
Ann Wolff Im Kulturforum Burgkloster wird vom 9. Mai bis 1. August eine opulent angelegte Einzelausstellung der schwedischen Künstlerin Ann Wolff gezeigt. Bereits Ende der 1960er Jahre machte Ann Wolff als eine der Gründerinnen der internationalen Studioglasbewegung auf sich aufmerksam. Wie kaum ein anderer steht ihr Name seither weltweit für Skulpturen in Glas. Im Burgkloster werden 60 Skulpturen und Arbeiten auf Papier präsentiert.
Von 1993 bis 1998 lehrte Ann Wolff als Professorin an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Sie arbeitet heute als freie Künstlerin in Schweden und Berlin.
Museumspädagogik / Wissenschaft Mit Beginn des Jahres 2009 startete ein museumspädagogisches Großprojekt: „Jugend ins Museum". Schwerpunkt ist die Integration von Museumsbesuchen in den Schulunterricht. Dazu wurden in Zusammenarbeit mir Lübecker Lehrern im Laufe des Jahres spezielle Unterrichtsprogramme entwickelt.
Seit dem 1. Januar 2010 können alle Lübecker Lehrer diese Module für ihren Unterricht nutzen und gemeinsam mit ihren Klassen kostenlos Museen besuchen. Bisher sind das Holstentor, das Museum für Natur und Umwelt, das Museum Behnhaus Drägerhaus und das Kulturforum Burgkloster an dem Projekt beteiligt. Bis zum Sommer sollen alle anderen Museen mit eingebunden werden. Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt und wird mit 100 000 Euro pro Jahr von der Michael Haukohl Stiftung gefördert.
Unabhängig von diesem Projekt wird in den Lübecker Museen das Angebot für Kinder und Jugendliche ausgebaut. Geplant ist, dass zu jeder Sonderausstellung auch ein museumspädagogisches Angebot für Kinder und Jugendliche entwickelt wird. Zu fünf Sonderausstellungen wird es im Jahr 2010 hochkarätige wissenschaftliche
Begleitpublikationen geben, und zwar zu:
„Natalja Gontscharowa: Zwischen russischer Tradition und europäischer Moderne"
„Mario und der Zauberer" „Karl Schmidt-Rottluff: Ostseebilder" „Franziska Graefin zu Reventlow: Alles moechte ich immer" „Carl Friedrich von Rumohr (1785–1843) und die Kunst der Romantik". Im Fall der begleitenden Publikation zur Sonderausstellung „Mario und der Zauberer"
tritt die Kulturstiftung erstmals als eigener Verlag auf. Die Publikation hat eine eigene ISBN-Nummer und kann so weltweit in bibliographischen Datenbanken des Buchhandels und der Bibliothekssysteme identifiziert werden.
www.die-luebecker-museen.de
Quelle: Kulturstiftung Lübeck |