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Eröffnung "Mario und der Zauberer" und die Schatten des Faschismus Drucken E-Mail
18.03.2010
Mario und der Zauberer
Mario und der Zauberer
Start der Sonderausstellung über Thomas Manns Werk

Achtzig Jahre nach der Erstveröffentlichung widmet das Buddenbrookhaus Thomas Manns Mario und der Zauberer eine Sonderausstellung. Mit einer Fülle seltener Originalzeugnisse sowie durch Medien und Inszenierungen beleuchtet die Präsentation, die im nächsten Jahr in Rom zu sehen sein wird, die Entstehungs-, Publikations- und Wirkungsgeschichte der Novelle. Auf beispiellose Weise fängt das Werk die Stimmung des faschistischen Italien ein und konnte 1930 auch als Mahnung vor dem Nationalsozialismus in Deutschland gelesen werden.

Die Sonderausstellung Thomas Manns „Mario und der Zauberer“ und die Schatten des Faschismus wurde am gestrigen Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit präsentiert.

„Mit einer eigenen Ausstellung ist Mario und der Zauberer noch nicht gewürdigt worden. Das Buddenbrookhaus möchte diese Lücke in der Rezeption schließen“, erklärte Holger Pils, Leiter des Hauses, gegenüber den Journalisten. „Achtzig Jahre nach der Erstveröffentlichung haben wir eine literaturwissenschaftliche Erkundung vorgenommen, die die Novelle in ihrer Gesamtheit als Kunstwerk zu betrachten versucht, wie der Autor zu Mario selbst empfahl, um den Blick nicht voreilig zu verengen. In sieben Stationen zeigen wir Lesarten des Textes, die in ihm angelegt sind und die sich in der Rezeption herauskristallisiert haben. Die politische ist dabei eine Lesart und zugleich ist das Politische das Verbindende: Es überschattet die anderen, es taucht in unterschiedlich starken Schattierungen auch in den anderen Interpretationssträngen auf.“
Christina Ulrich, wissenschaftliche Volontärin im Buddenbrookhaus, ergänzte: „Die Entstehungs- und die Rezeptionsgeschichte der Novelle werden anhand von Originaldokumenten präsentiert. Ausgehend von der einzigen erhaltenen Manuskriptseite, Familiendokumenten und Memorabilia aus Forte dei Marmi kann ein für Thomas Mann wichtiges Thema entfaltet werden: die enge Verknüpfung von Leben und Werk, das Entstehen von Kunst aus Leben. Und: Die Ausstellung leistet einen Beitrag zur Debatte um den politischen Gehalt des Textes, indem Rezeptionszeugnisse und Selbstdeutungen des Autors gezeigt und in ihrem geschichtlichen Kontext gedeutet werden – so zum Beispiel die Einschätzung Thomas Manns, die Geschichte eigne sich nicht für Italien, festgehalten in einem Brief an die Freundin und Übersetzerin Lavinia Mazzuchetti.“

Auch die zahlreichen medialen Umsetzungen von Mario und der Zauberer werden in der Ausstellung in den Blick gerückt. Bekannt ist die filmische Umsetzung durch Klaus Maria Brandauer, weniger bekannt sind ein weiterer Film und Mario-Opern. Als Ballett inszenierte Luchino Visconti Mario 1956 in der Mailänder Scala – zahlreiche Originalaufnahmen lassen einen lebendigen Eindruck der Aufführung entstehen. Die bildkünstlerischen Umsetzungen der Novelle werden durch Illustrationen von Hans Meid, Heinz Minssen, Kurt Steinel und Paul Wunderlich präsentiert. Als eine Form der Rezeption spiegeln diese Werke die unterschiedliche Wahrnehmung des Textes zu verschiedenen Zeiten wider, unterstreichen aber auch gemeinsam die dominante politische Lesart des Textes.

Im Rahmen der Sonderausstellung Thomas Manns „Mario und der Zauberer“ und die Schatten des Faschismus wird der renommierte Faschismusforscher Prof. Dr. Wolfgang Wippermann von der Freien Universität Berlin im Buddenbrookhaus einen Vortrag halten. Der Experte spricht am Freitag, 7. Mai, über Thomas Mann und dessen Beschäftigung mit dem Faschismus. Der Schriftsteller Mann beschrieb keineswegs nur den italienischen, sondern auch den deutschen Faschismus, der heute meist als Nationalsozialismus bezeichnet wird. Damit unterschied er sich von vielen der damaligen und heutigen Historiker. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr.

Hier das gesamte Begleitprogramm zur Ausstellung:

Eröffnung am Freitag, 19. März 2010 | 19 Uhr
Begrüßung durch Holger Pils, Leiter des Buddenbrookhauses.
Einführung durch Christina Ulrich, Kuratorin. Lesung mit Jan Bovensiepen.
Führung durch die Ausstellung und Empfang mit Wein und Antipasti.
Teilnahme: 5 / 2,50 EUR. Um Anmeldung wird gebeten.

Mittwoch, 24. März 2010 | 19 Uhr
Literatur im Gespräch zu Mario und der Zauberer mit Ausstellungsbesuch.
Moderation: Christina Ulrich
Eine Veranstaltung des Fördervereins Buddenbrookhaus e. V.
Teilnahme: 5 EUR, für Fördervereinsmitglieder frei

Donnerstag, 25. März 2010 | 16-18 Uhr
Lehrerfortbildung zu Mario und der Zauberer mit Ursula Häckermann und Karoline Göbel. IQSH-anerkannt.
Teilnahme: 5 EUR (inkl. Materialien für den Unterricht). Anmeldung erforderlich

Freitag, 9. April 2010 | 16 UhFreitag, Uhr
Führung durch die Ausstellung mit Christina Ulrich, Kuratorin
Teilnahme: 8 EUR (inkl. Eintritt)

Sonntag, 11. und Mittwoch, 14. April 2010 | 20.30 Uhr
Filmabend: Mario und der Zauberer, Regie: Klaus Maria Brandauer (Deutschland 1994)
Veranstaltungsort: Kommunales Kino, Mengstr. 35
Mit einer Einführung von Britta Dittmann, Buddenbrookhaus
Es gelten die Eintrittspreise des Kommunalen Kinos, Tel. 0451-3968467.

Freitag, 7. Mai 2010 | 19 Uhr
Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Wippermann, Freie Universität Berlin:
„Bruder und Zauberer. Über die Faschismustheorien Thomas Manns“
In Kooperation mit der Deutsch-Italienischen Gesellschaft, Lübeck
Teilnahme: 6 / 4 EUR, für Mitglieder der Deutsch-Italienischen Gesellschaft ermäßigt.

Freitag, 4. Juni 2010 | 16 Uhr
Führung durch die Ausstellung mit Holger Pils, Leiter des Buddenbrookhauses
Teilnahme: 8 EUR (inkl. Eintritt)
Sonntag, 20. Juni 2010 | 17 Uhr
Finissage | Vortrag von Christina Ulrich:
„Höhnisches und Entwürdigendes. Cipollas Strategien der Unterwerfung“ mit Ausstellungsbesuch.
Teilnahme: 5 / 2,50 EUR

Begleitend zur Ausstellung erscheint der BaBegleitend Band „Thomas Manns ‚Mario und der Zauberer’“ mit wissenschaftlichen Beiträgen von Helmut Koopmann, Bernd Hamacher, Regine Zeller, Manfred Dierks, Elisabetta Mazzetti, Lena Ekelund, Alexander Bastek, Holger Pils und Peter Zander sowie einem Materialteil mit Texten von Elisabeth Mann Borgese, Dino Buzzati und Klaus Maria Brandauer, einer Forschungsbibliografie und zahlreichen Abbildungen. Das Buch kann zum Preis von 14,90 EUR über shop@buddenbrookhaus.de bestellt werden (plus 3 EUR Versand).

Die Ausstellung und der Begleitband werden gefördert durch:
Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages
Von Keller-Stiftung
Hans-Meid-Stiftung
Förderverein Buddenbrookhaus Lübeck e. V.
Zentrales Verzeichnis antiquarischer Bücher (ZVAB.com)
KUNSTHAUS LÜBECK - Gaulin und Oestmann

Das Buddenbrookhaus dankt seinen Partnern:
NDRKultur
Deutsch-Italienische Gesellschaft Lübeck

Quelle: Kulturstiftung Hansestadt Lübeck

 
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