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Gregorianik, Orgel und Fledermäuse |
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| 20.08.2010 |
 Europäische Fledermausnacht Kirche feiert die „Geschöpfe der Nacht“
Auf Initiative der Ökumenischen Stiftung für Schöpfungs- bewahrung und Nachhaltigkeit aus Ratzeburg findet am 4. September 2010 die Europäische Fledermausnacht erstmals in einer großen Kirche Lübecks statt. Ab 20.30 Uhr öffnet die St. Jakobi-Kirche, Am Jakobikirchhof 3, ihre Türen für die Geschöpfe der Nacht und alle, die von diesen Tieren fasziniert sind. Fledermäuse waren den Menschen über Jahrhunderte unheimlich. Im Volksglauben und in der Kunst wurden sie mit dem Bösen in Verbindung gebracht, ja sogar mit dem Teufel selbst identifiziert. Dämonische Gestalten mit Fledermausflügeln zieren auch Zinnen und Giebel von gotischen Kirchen. Dem Alten Testament galten Fledermäuse als unrein.  Europäische Fledermausnacht |
Als Nachttiere gehören sie in das Reich der Dunkelheit – vieles Angsterregende und Bedrohliche wurde auf sie übertragen, wie man noch an den Draculageschichten des 19. Jahrhunderts sehen kann. Nicht zuletzt wurden und werden auch die eigenen unbewussten Ängste und Triebe auf die Nacht und ihre Geschöpfe projeziert. Das scheint auch heute noch einen Teil der Faszination auszumachen, die von ihnen ausgeht. Vor diesem Hintergrund ist es nicht nur ein besonderes visuelles Erlebnis, gerade diese Tiere in die Kirche zu holen und mit Hilfe kirchlicher Kunst und Musik zu würdigen. Es ist fast ein Stück Therapie. Die Fotografien und Filmaufnahmen in Superzeitlupe des Tierfotografen Dietmar Nill aus Mössingen zeigen bisher kaum je gesehene Details dieser faszinierenden Tiere auf einer großen Leinwand in der Kirche. Diese vermitteln ein vertieftes Verständnis der Lebensweise und Eigenarten dieser Tiergruppe. Die zum Teil bizarren Bilder werden unterlegt durch gregorianischen Gesang der Choralschola St. Nikolai aus Kiel. Orgelklänge von Franz Danksagmüller, Professor für Orgelimprovisation aus Lübeck, interpretieren sie auf eigene Weise. Die Gregorianik steht für die älteste überlieferte Musik des Abendlandes. Ihre besondere Kraft und Vitalität bezieht sie aus ihren Texten, die vor allem dem Buch der Psalmen entnommen sind. Die Spiritualität der Psalmen ist durch ein positives Schöpfungsverständnis geprägt. Wer sich diesen Gesängen hingibt, wird zu einer positiven Beziehung zu allen Mitgeschöpfen und einem verantwortungsvollen Umgang mit unserer Erde eingeladen. Die Orgel blickt auf eine über zweitausendjährige Geschichte zurück. In der römischen Antike wurde sie im Zirkus verwendet, in Byzanz war sie ein aristokratisches Instrument, das nur in Anwesenheit des Kaisers erklingen durfte; erst später fand sie Einzug in die Kirche. Ihre Klangmöglichkeiten sprechen ein weites Spektrum von Gefühlen an. In den 1920er Jahren war die Orgel als Begleitinstrument in Kinos weit verbreitet, denn ihre Fähigkeit, unheimliche, ja grauenerregende Klänge hervorzubringen machte sie zum bevorzugten Ausdrucksmittel für Figuren wie Kapitän Nemo und das Phantom der Oper. Die helle Seite dieses Instruments dient in der Kirchenmusik dazu, dem Glauben der Menschen einen höheren Ausdruck zu verleihen.
Die Veranstaltung beginnt am 4. September 2010 um 20.30 Uhr (Einlass) und schließt um 22.15 Uhr. Im Anschluss besteht Gelegenheit, sich mit Fledermausexperten zu unterhalten, sich an einem Büchertisch zu informieren oder an einer Fledermausexkursion in der Stadt teilzunehmen. Der Eintritt kostet 10 €, für Kinder bis 12 Jahre 5 €. Weitere Informationen unter: Quelle: Ökumenische Stiftung für Schöpfungsbewahrung und Nachhaltigkeit Foto: Dietmar Nill |